Fliegende Blätter — 17.1853 (Nr. 385-408)

Seite: 57
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Herr Plemperer im Gebirq.

(Abends 7 Uhr, im „abonnirten Gesellschafts-Zimmer" eines Brau-
hauses.)

Herr Griesmayer (als der einzige Gast bei seiner
„Halbe" sitzend, bewillkommt den eben eintretenden Herrn
Plemperer.) „Ah, grüß' Ihnen Gott, Herr Plemperer, guten
Abend! Sieht man Ihnen auch einmal wieder!"

HerrPlemperer. „ Guten Abend! Heunt ists aber noch
leer in unserm Stüberl! Werden halt noch Alle z' Haus beim
Essen sein! Wir haben heunt auch schon so früh z' Nacht gessen,
weil meine Frau in's Theater gefahren ist, in die „Antigola"
da, die neue Oper — wissen S' — von dem alten Griechen
da — und derentwegen bin ich heunt auch schon so zeitig Her-
kommen (zur Kellnerin:) Kathi! Eine Halbe, aber ein frisches!
Lieber wart' ich noch ein bist, bis angezapft wird!"

Griesmayer. „Nun, sind Sie wieder gut zurückgekommen
von Ihrer Gebirgsreise? Haben Sie sich gut unterhalten?"

Plemperer. „Ich dank' Ihnen, es hat's grad so thun
müsien! 's Essen halt, 's Essen, das heißt nirgends nicht viel
in dem Gebirg drinn! Kathi, den Speiszettel! (er liest darin.)
Mir bringst einen abgebräuntcn Kalbskopf und gleich noch einen
halben dazu. Es ist wahr, lieber bleibt mir was übrig, als daß

ich zu wenig vor mir Hab — dasselbige kann ich gar nicht
vertragen!"

Griesmayer. „Nun, sind Sie über Bad Kreuth nach
Tyrol gereist, oder über Kuffstein?"

Plemperer. „Ueber's Kreuth sind wir hinein, weil dem
Brandlmayer, meinem Reise-Compagnon, seine Frau in Kreuth
drinn im Bad war. No, daß ich Ihnen also sag', am Dienstag
vor acht Tagen sind wir fortgefahren, ich und der Brandlmayer
— im Stellwagen; Wissens, nicht wegen dem Geld halber, denn
einen Platz im Eilwagen hätt's — Gottlob — unser Einem
auch noch gelitten, wenn gleich die Zeiten hundsschlecht sind; —
aber so ein Eilwagen fahrt halt alleweildurchaus, ohne Anhalten
und Einkehren, und das kann ich für meinen Tod nicht aus-
stehen. In's Cabriolet haben wir uns schon Tags zuvor mit
einem Extratrinkgeld eing'frümmt, und so sind wir halt ab-
g'fahren in Gottes Namen. Beim Bögner im Thal haben
wir zuvor noch nachgfrühstückt zur Vorsicht, hübsch kühl war's
auch, der Himmel wie ausgwaschen so sauber, und so hat's

es gethan bis Sauerlach. Da Habens grad frische Bratwürstel
g'macht, die haben wir versucht, 's Bier war auch zum Trinken,
und so sind wir um ein eilf Uhr nach Holzkirchen kommen."

Griesmayer. „Aha, da haben Sie schon die blaue Ge-
birgskette gesehen —“
Objekt
Titel: Fliegende Blätter
Detail/Element: "Herr Plemperer im Gebirg"
Inv.Nr./Signatur: G 5442-2 Folio RES
Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Heidelberg 
Schlagwort: Speise <Motiv> 
Gast <Motiv> 
Bier <Motiv> 
Bratwurst 
Karikatur 
Speisekarte 
Kellnerin <Motiv> 
Satirische Zeitschrift 
Gaststätte <Motiv> 
Herstellungsort: München 
Bildnachweis: Fliegende Blätter, 17.1853, Nr. 392, S. 57
Aufnahme/Reproduktion
HeidICON-Pool: UB Fliegende Blätter 
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Bild-ID HeidIcon: 102774
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