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Die

Endlich ist Tanger nun doch preußisch
geworden und gewährt, vom Meere aus gesehn,
mit den behelmten Minarets einen ent-
zückenden Anblick.

Dem äeulscken Kaufmann

Zum 1. März 1906

Sie hingen Dir den Brotkorb höher
Und sprachen: Hilf Dir selber nur!

Denn Du bist klüger, stärker, zäher,

Du bist der Träger der Kultur!

Der Bauernbub ist schwer im Fassen
(Das heißt: im Fassen mit dem Kopf!)
Wan muß ihm Hilfe werden lassen,

Sonst geht zugrund der arme Tropf.

So haben Deine werkurflügel
Sie kühn mit ihrer Last beschwert,

Indeß erleichtert nun am Zügel
Der Ackergaul zur Höhe fährt.

Du aber, laß Dich nicht beschämen!
Zeig ihnen trotzdem, wer Du bist!
Und daß, den Flug empor zu nehmen,

Dir dennoch Kraft geblieben ist!

Zeig ihnen, daß die starken Hirne
wehr gelten als die starke Faust,

Und daß Du mit erhabner Stirne,

Auch aus den Felsen Wasser haust!

Und daß Du noch der wundervolle,

Der deutsche Kaufmann, muthgestählt
Der sich von seiner engen Scholle
Erobert hat die ganze Welt!

Der fremde Kräfte überwunden
Und, wie er manchen Schlag verwand
Auch überstehen wird die Wunden,

Die ihm versetzt sein Vaterland!

Dann wird in Deines Thun Annalen,
Ein Denkmal eherner als Erz,

Zu Deinem Ruhme noch erstrahlen
Auch dieser schlimme „erste wärz"!

A. I>e Nora

*

Die Macht der Liebe. Es war einmal eine
Cousine, die lebte in den Amorsälen, und es war
einmal ein Gouverneur, der lebte in dem Land der
Schwarzen. Aber die Liebe zwischen dem Cousin
und der Cousine war so groß, daß sie ihm in das
Land der Schwarzen folgte. Dafür folgte er aber
auch ihr wie die Puttchen der Henne folgen: und
wenn sie rief: Putt, Putt, Putt, kam er.

*

fromme Wünsche

Ich wollt', in Algeciras
Säß' Er, der lang schon tot:

Der Alte mit dem Tyras,

Dann hätt es keine Roth!

Fünftausend Augen mit Geschicklichkeit
Hat Herzog Theodor vom Staar befreit;
Ach. stäche doch der edle Jubilar
Auch Bayerns Löwen mal den

schwarzen Staar!

fata TDarokkatta (Zeichnungen von e. Allste)

Wald yaven die Marokkaner gelernt, ihr Gebet
zu verrichten, indem sie den Lopf nach Werl in
hin neigen. Die Richtung gibt ein Schutz-
mann, der den Sompaß in der Hand hält.

Die Muezzins, in der Uniform der ihnen im
Range gleichgestellten Landräthe, rufen von den
Dächern der Gebetshänfer bei Sonnenaufgang
und -Untergang die neuesten Polizeiverord-
nnngen aus.

Und der Sultan wird ;war kathocrfch-


-verzichtet aber im übrigen nicht aut

feine Referoatrechte!

Das Kamee! wird als Angehöriger der nütz-
lichen Sahara-Marine ,,A. A. K. r>. (ffl.“, das
heißt „Seiner Majestät Schiff der Wüst»"
genannt.

*

Beßenöe (Siköer

Auch die frömmsten Künstler denken freier,

Als sie sollten, aus der schlechten Welt.

Dies bewies uns kürzlich eine Feier,

Als man Bilder in Berlin gestellt.

Männlein, weiblein, die dabei zugegen,

Freuten harmlos sich des bunten Scheins.

Ob die Sache Anstoß könnt' erregen,

Danach fragte leider keins.

Der Minister weilte auch im Saale,

Dem da unterstellt ist, weit und breit,

Jede geistliche, medizinale,

Und so weiter Angelegenheit.

Unter diesem netten: Und-so-weiter
Bält verborgen sich die preuß'sche Kunst,

Darum hofften auch des Festes Leiter
Auf des hohen Gönners Gunst.

Ach, es fand sich jämmerlich betrogen
Dies erwartungsvolle Tomite!

Denn ein wenig spärlich angezogen
war der „Frühling" und die „Salome"!
wer die Kunst gemeinsam muß verwalten
Mit der orthodoxen Religion,

Der verlangt statt duft'ger Schleierfalten,
prallen Trikots Rosenton!

Sittlich tiefer Zorn ergriff den Mächtigen
Und er dankte Gott, daß seine Frau
Nicht mit beigewohnt der niederträchtigen,
Sündhaft, zucht- und ehrvergess'nen Schau!
„Eines Mädchens Brust sogar, (man höre!)
k^at gewackelt!" sprach die Exzellenz
„Dieser säubern Bilder Arrangeure
Bill' ich hiermit zur Audienz!"

Reuig sind die perrn zur Stell' gewesen.

Bittet ein Minister, heißt's: Du mußt!
wie den Aermsten man den Text gelesen,

Das verhüllen sie in tiefster Brust. . .

Streng verpönt ist reine Schönheitsfreude,

Nicht diktiert wie anno dazumal

Mehr ein Gott das Werk dem Künstler heute,

Sondern psäffische Moral!

Furor borussicus. Man unterschätze die Volks-
stimmungen nicht, auch wenn sie sich nicht an die
Oberfläche wagen. Lärmende Ovationen sind bei
der Doppelseier in unserem Kaiserhause zum Thron
gedrungen: aber, wir müssen es leider sagen, in
weiten Kreisen des Volks hat das Doppelfest eine
nichts weniger als freudige Stimmung hervorge-
rufen. Gerade in denjenigen Kreisen, die die Zu-
kunft des Vaterlandes vorstellen, gerade in der
deutschen Ju g e n d war man verstimmt und verärgert,
wenn man es auch nicht offen zeigte. Denn wenn
die beiden Hochzeiten n i ch t auf eine:: Tag
zefallen wären, dann wären die Schulen
vii zwei Tagen ausgefallen!

Oer beste Scbutj!

Mennig ist ein Schlaumeier: Er treibt sich jetzt
in der Maske eines russischen Polizei*
spitzels in Berlin herum!

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Register
[nicht signierter Beitrag]: Der beste Schutz
[nicht signierter Beitrag]: Fromme Wünsche
Haefer: Lebende Bilder
A. De Nora: Dem deutschen Kaufmann
[nicht signierter Beitrag]: Die Fata Marokkana
Erich Wilke: Illustrationen zum Text "Die Fata Marokkana"
[nicht signierter Beitrag]: Die Macht der Liebe
[nicht signierter Beitrag]: Furor borussicus