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Einleitung XIX

russischen Pfundes von 96 Doli, das auf die altbabylonische Mina
zurückgeht. Der französische Feingehalt auf die russische Rechnung
reduziert ergibt 9'/96. Deutschland ist minder streng, die offizielle
Stempelung des Deutschen Reiches ist am Anfang dieses Ruches
dargelegt.

Man legiert in der Hauptsache, um zu härten. Dem Gold wird
meistens Silber oder Kupfer beigegeben, wodurch auch seine gelbe
Farbe je nachdem heller oder dunkler wird. Silber wird in den meisten
Fällen mit Kupfer legiert. Um zu erkennen, wieviel von dem gering-
wertigen Material dem höherwertigen zugesetzt worden ist, bedient
man sich vornehmlich zweier Mittel, der Untersuchung auf der Ku-
pelle und der Probe auf dem Stein. Beides ist schon im Altertum,
zum Teil schon im hohen Altertum bekannt gewesen. Die Kupellen-
probe wird in der Weise gemacht, daß man dem zu untersuchenden
und vorher gewogenen Silber ein Quantum Blei zusetzt und dann
beides zusammen schmilzt, wodurch sich das Silber von seinen Bei-
mengungen trennt, die sich mit dem Blei vereinigen. Diese so-
genannte Bleiglätte sickert in die Kupelle ein und das Silberkörnchen
kann, solange es warm ist, leicht entfernt und dann gewogen werden.
Um wieviel es jetzt leichter befunden wird als früher, so viel Le-
gierung hat es enthalten. Griechen und Römer haben Gold und
Silber auf dieselbe Weise gereinigt; daß sie es auch auf dieselbe
Art für den Handel mit Gold- und Silberarbeiten geprüft haben,
läßt sich annehmen. Sie werden dieses Hilfsmittel als latentes Wissen
dem Mittelalter überliefert haben. Schriftliche Zeugnisse liegen zu-
nächst darüber nicht vor, erst im 16. Jahrhundert setzt eine um-
fangreiche Literatur darüber ein.

Das zweite Mittel zur Bewerkstelligung der Probe ist der Pro-
bierstein, der schon in prähistorischen Gräbern gefunden wird, und
den die Griechen ßdtcavcc und die Römer »coticula« nannten. Er muß
auch im frühen Mittelalter in stetem Gebrauch gewesen sein, denn
nur daraus läßt sich der Ausdruck »touche« und »touche de Paris«,
den Etienne Boileau 1258—1269 für Feingehalt gebraucht, erklären.1)

l) Nus Orfevre ne puet ouvrer d'or a Paris, qu'il ne soit a la touche de Paris ou mieudres
(oder besser). Histoire Generale de Paris, Etienne Boileau, Li establissement des Mestiers de Paris.
Herausgegeben von De Lespinasse und Bonnardot, Paris 1879 S. 33 Titre XI 2.