Persistente URL:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/schmidt1908/0030
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Anspruch nehmen, auch von anderen indischen Heiligen reklamiert
worden!
Die1) Sädhu genannten Asketen führen das bequeme, verantwortungsfreie
Leben des Bettlers und haben in ihrem Kalender
sehr genau und eingehend alle Feste und Feierlichkeiten verzeichnet
, so daß sie auf ihren weit abführenden Wanderungen
immer rechtzeitig in all den Ortschaften eintreffen, die sie auf
ihrer gewöhnlichen jährlichen Runde berühren.
Die vorwiegende, wenn auch nicht die ausschließliehe Farbe
ihrer Gewandung ist das bekannte Braungelb, die Lieblingsfarbe
der indischen Bettelmönche, soweit sich diese überhaupt um
Kleidung kümmern: es gibt ja da eine Sekte, die sich nach der
Mangelhaftigkeit ihres Anzuges digambara („himmelbekleidet")
nennt! Meist verschmähen ja diese Heiligen, leidenschaftslos wie
sie sind oder doch wenigstens sein sollten, allen Putz und bedecken
sich mit den dürftigsten Lumpen. Die Haut beschmieren
sie — sei es zum Schutze gegen die Sonnenstrahlen, sei es zur
Abwehr der Insekten oder,-, wie andere wollen, zur Verscheuchung
der Dämonen2) — gewöhnlich über und über mit Aschenpulver
, welches manche Asketen mit der größten Sorgfalt zubereiten
, indem sie es wiederholt durch zusammengefaltetes
Seidentuch sieben, bis es so fein wie irgend ein Toilettepuder wird.
Außerdem haben diese Heiligen — gemeinsam übrigens mit
allen Brahmanen — das sog. tilaka, das Sektenzeichen, auf der
Stirn bis zur Nase, weiß oder farbig, wozu einige auch noch
Symbole auf Brust und Armen tragen. Man könnte die tilakas
mit unseren „Schönheitspflästerchen" vergleichen, wenn sie
eben nicht den Zweck hätten, als Erkennungszeichen der einzelnen
Sekten zu dienen. So trägt der eine Sädhu auf seiner
Stirn das triphala, drei Linien, die etwa von der Vereinigungsstelle
der Augenbrauen aufwärts gezogen werden; und zwar die
mittlere rot, die beiden äußeren weiß: das Sektenzeichen der
Ramats. Die rote Linie wird mit roli, einem Präparate aus
Curcumae und Leim, gemalt, die weißen mit gopichandana,
einem kalkhaltigen Ton, den man aus Dwarka aus einem Teiche
holt, in welchem sich nach der Krishna-Legende die zarten
*) Oman, 36 ff.
2) Crooke, Populär Rel., 29/30.
worden!
Die1) Sädhu genannten Asketen führen das bequeme, verantwortungsfreie
Leben des Bettlers und haben in ihrem Kalender
sehr genau und eingehend alle Feste und Feierlichkeiten verzeichnet
, so daß sie auf ihren weit abführenden Wanderungen
immer rechtzeitig in all den Ortschaften eintreffen, die sie auf
ihrer gewöhnlichen jährlichen Runde berühren.
Die vorwiegende, wenn auch nicht die ausschließliehe Farbe
ihrer Gewandung ist das bekannte Braungelb, die Lieblingsfarbe
der indischen Bettelmönche, soweit sich diese überhaupt um
Kleidung kümmern: es gibt ja da eine Sekte, die sich nach der
Mangelhaftigkeit ihres Anzuges digambara („himmelbekleidet")
nennt! Meist verschmähen ja diese Heiligen, leidenschaftslos wie
sie sind oder doch wenigstens sein sollten, allen Putz und bedecken
sich mit den dürftigsten Lumpen. Die Haut beschmieren
sie — sei es zum Schutze gegen die Sonnenstrahlen, sei es zur
Abwehr der Insekten oder,-, wie andere wollen, zur Verscheuchung
der Dämonen2) — gewöhnlich über und über mit Aschenpulver
, welches manche Asketen mit der größten Sorgfalt zubereiten
, indem sie es wiederholt durch zusammengefaltetes
Seidentuch sieben, bis es so fein wie irgend ein Toilettepuder wird.
Außerdem haben diese Heiligen — gemeinsam übrigens mit
allen Brahmanen — das sog. tilaka, das Sektenzeichen, auf der
Stirn bis zur Nase, weiß oder farbig, wozu einige auch noch
Symbole auf Brust und Armen tragen. Man könnte die tilakas
mit unseren „Schönheitspflästerchen" vergleichen, wenn sie
eben nicht den Zweck hätten, als Erkennungszeichen der einzelnen
Sekten zu dienen. So trägt der eine Sädhu auf seiner
Stirn das triphala, drei Linien, die etwa von der Vereinigungsstelle
der Augenbrauen aufwärts gezogen werden; und zwar die
mittlere rot, die beiden äußeren weiß: das Sektenzeichen der
Ramats. Die rote Linie wird mit roli, einem Präparate aus
Curcumae und Leim, gemalt, die weißen mit gopichandana,
einem kalkhaltigen Ton, den man aus Dwarka aus einem Teiche
holt, in welchem sich nach der Krishna-Legende die zarten
*) Oman, 36 ff.
2) Crooke, Populär Rel., 29/30.
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